eisenbahn-international.com
09
'26
Written on Modified on
Digitale automatische Kupplung für den Schienengüterverkehr
ÖBB Rail Cargo Group testet ein neues Kupplungssystem, das mechanische, pneumatische und digitale Verbindungen zwischen Güterwagen ermöglicht und die Automatisierung im europäischen Bahnverkehr unterstützt.
www.oebb.at

Der europäische Schienengüterverkehr nutzt noch immer manuelle Schraubenkupplungen, die vor mehr als einem Jahrhundert eingeführt wurden und körperlich aufwändige Arbeitsabläufe erfordern. In diesem Kontext testete die ÖBB Rail Cargo Group die Digitale Automatische Kupplung (DAK) mit einem Demonstrationszug, um das System unter realen Betriebsbedingungen zu evaluieren.
Ersatz der manuellen Schraubenkupplung durch automatisierte Verbindungen
Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) soll die traditionelle Schraubenkupplung ersetzen, die derzeit in europäischen Güterzügen eingesetzt wird. Das bestehende System erfordert, dass Bahnmitarbeiter Wagen manuell verbinden, Bremsluftleitungen anschließen und die mechanische Kupplung prüfen.
Die DAK automatisiert diesen Prozess, indem sie Güterwagen mechanisch verbindet und gleichzeitig pneumatische, elektrische und digitale Verbindungen entlang des Zuges herstellt. Neben Druckluftleitungen für die Bremsanlage stellt die Kupplung auch eine kontinuierliche Strom- und Datenübertragung zwischen den Wagen bereit.
Diese integrierte Verbindung ermöglicht neue digitale Funktionen im Bahnbetrieb und unterstützt die laufende Transformation hin zu einem digitalen Schienengüterverkehr in Europa.
Demonstrationszug prüft Interoperabilität und Systemintegration
Zur Validierung der Technologie unter realen Betriebsbedingungen setzte die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) einen DAK-Demonstrationszug ein, der mit Kupplungssystemen verschiedener Hersteller ausgestattet ist. Ziel des Projekts ist es zu testen, ob mechanische, elektrische und datenbasierte Systeme zuverlässig zusammenarbeiten.
Im Mittelpunkt der Tests steht die Frage, ob mit DAK ausgestattete Wagen automatisch gekuppelt werden können und gleichzeitig stabile Strom- und Datenverbindungen entlang des gesamten Zuges aufrechterhalten bleiben. Diese Fähigkeiten sind Voraussetzung für digitale Anwendungen wie automatisierte Bremsproben, kontinuierliche Zugüberwachung und zukünftige Automatisierungsfunktionen.
Die Interoperabilität zwischen Systemen verschiedener Hersteller gilt als entscheidender Schritt für eine großflächige Einführung im europäischen Güterverkehrsnetz.
Wintertests untersuchen Zuverlässigkeit unter extremen Bedingungen
Um die Leistungsfähigkeit der Technologie unter schwierigen Umweltbedingungen zu prüfen, absolvierte der Demonstrationszug eine dreiwöchige Wintertestphase in Österreich.
Die Tests fanden am Bahnhof Schwarzach-St. Veit im Salzburger Pongau statt, wo Temperaturen von bis zu –15 °C sowie Eisregen und Schneefall herrschten. Dabei wurden wiederholt mechanische Kuppelvorgänge, das elektrische Entkuppeln per Knopfdruck sowie die Funktionsfähigkeit der Luft- und Datenverbindungen getestet.
Untersucht wurde insbesondere, wie sich niedrige Temperaturen, Schnee und Eis auf Komponenten wie Schmierstoffe, Dichtungen und elektrische Kontakte auswirken, die für einen zuverlässigen Betrieb der Kupplung und der Bremsanlage entscheidend sind.
Um typische Betriebsbedingungen im Güterverkehr zu simulieren, wurde der Zug außerdem zehn Tage lang in Böckstein abgestellt. Während dieser Zeit wurden relevante Komponenten bewusst Schnee und Eis ausgesetzt, um potenzielle Schwachstellen zu identifizieren.
Testergebnisse unterstützen weitere Entwicklung
Das Ziel der ersten Testphase bestand darin, mögliche technische Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass die getesteten Systeme auch unter anspruchsvollen Winterbedingungen zuverlässig funktionierten.
Die Tests lieferten wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Technologie und bestätigten Fortschritte auf dem Weg zu einer europaweit standardisierten Digitalen Automatischen Kupplung.
Die Entwicklung ist insbesondere für Einzelwagenverkehre relevant, bei denen häufige Kuppel- und Entkuppelvorgänge stattfinden und Automatisierung erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen kann.
Schlüsseltechnologie für den digitalen Schienengüterverkehr
Die Digitale Automatische Kupplung gehört zu den größten Modernisierungsprojekten im europäischen Güterverkehr. Durch automatisches Kuppeln und kontinuierliche Datenverbindungen zwischen den Wagen schafft sie die Grundlage für Automatisierung und Digitalisierung im Schienengüterverkehr.
Die Technologie unterstützt zudem das Ziel, mehr Gütertransporte auf die klimafreundliche Bahn zu verlagern, indem Effizienz und Sicherheit im Bahnbetrieb verbessert werden.
Durch ihre Testaktivitäten und operative Erfahrung bringt die ÖBB Rail Cargo Group praktisches Know-how in die europäische Entwicklung der DAK ein und trägt zur Modernisierung der Schienengüterlogistik bei.
www.oebb.com
Edited by industrial journalist, Aishwarya Mambet.
Fordern Sie weitere Informationen an…

