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Niederflur-Straßenbahntechnologie geht in Rostock in Betrieb
Die Rostocker Straßenbahn AG nimmt neue Niederflurstraßenbahnen von Stadler in Betrieb und modernisiert Rostocks Nahverkehr mit Fokus auf Barrierefreiheit, Effizienz und Kapazität langfristig.
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Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) hat eine neue Niederflur-Straßenbahnplattform in den Fahrgastbetrieb übernommen. Damit beginnt eine umfassende Erneuerung der Rostocker Straßenbahnflotte, die auf verbesserte Barrierefreiheit, höhere betriebliche Effizienz und den langfristigen Ausbau der Kapazitäten im städtischen ÖPNV ausgerichtet ist.
Flottenerneuerung im Kontext von Barrierefreiheit und Kapazitätszielen
Die Einführung der neuen Fahrzeuggeneration ist das Ergebnis eines mehrstufigen Projekts, das 2018 begann und politische Beschlussfassungen, Fahrzeugentwicklung, Erprobung und Inbetriebnahme umfasste. Die neuen Straßenbahnen sollen das verkehrspolitische Ziel der Stadt Rostock unterstützen, den Anteil des öffentlichen Personennahverkehrs auf 20 % zu steigern, und gleichzeitig ältere Hochflurfahrzeuge ersetzen, die das Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer erreichen.
Nach Angaben der RSAG kommen die Fahrzeuge zunächst auf den Hauptlinien 1 und 5 zum Einsatz. Weitere Einheiten werden für die Ausbildung des Fahrpersonals genutzt. Der Einsatz im Linienverkehr erfolgt nach Abschluss einer umfangreichen Test- und Zulassungsphase.
Technisches Konzept und Fahrzeugarchitektur
Die Fahrzeuge basieren auf dem TINA-Konzept („Totally Integrated Low-Floor Drive“) des Herstellers Stadler. Die Konstruktion ermöglicht einen durchgängigen Niederflurbereich ohne innere Stufen und unterstützt damit einen vollständig barrierefreien Fahrgastfluss.
Jede Straßenbahn ist rund 32 Meter lang und bietet Platz für insgesamt 216 Fahrgäste, davon 75 auf Sitzplätzen. Vier Mehrzweckbereiche sind für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder vorgesehen. Große Panoramafenster und erhöhte Durchgangshöhen sollen die Übersichtlichkeit und das Raumgefühl im Fahrgastraum verbessern.
Fahrgastsysteme und Innenausstattung
Zur Ausstattung gehören Fahrgastinformationsmonitore, Videoüberwachung sowie bargeldlose Fahrkartenautomaten. USB-Ladeanschlüsse sind im Innenraum integriert, die Aktivierung eines kostenfreien WLAN-Angebots ist ab Januar 2026 vorgesehen.
Die Klimatisierungssysteme sind auf einen energieeffizienten Betrieb ausgelegt, um den Komfort zu erhöhen und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck zu begrenzen. Geräuschreduzierende Konstruktionsmerkmale und speziell entwickelte Drehgestelle tragen zu einem ruhigen Lauf sowie zum Schutz von Rad- und Schieneninfrastruktur bei.
Betriebssicherheit und Fahrerassistenz
Auf betrieblicher Ebene verfügen die Fahrzeuge über mehrere Fahrerassistenzsysteme. Dazu zählen Kollisionsschutzfunktionen, die die Fahrzeugführer im dichten innerstädtischen Verkehr unterstützen. Die Drehgestellkonstruktion sorgt für eine gleichmäßigere Lastverteilung und trägt zu geringerer Abnutzung der Infrastruktur über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge bei.
Beschaffung, Finanzierung und Lieferplan
RSAG hat insgesamt 30 Fahrzeuge bestellt. Das Gesamtinvestitionsvolumen für die Flotte beläuft sich auf rund 107 Millionen Euro. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich mit Fördermitteln in Höhe von 11,75 Millionen Euro, darunter zusätzliche 2,3 Millionen Euro zur Finanzierung des 30. Fahrzeugs.
Drei Straßenbahnen befinden sich bereits in Rostock. Die Serienlieferungen sollen von Januar 2026 bis Mitte 2027 erfolgen. Die neuen Fahrzeuge ersetzen schrittweise nicht modernisierte 6N1-Straßenbahnen aus den Baujahren 1994 bis 1996, die nach rund 30 Jahren Betrieb außer Dienst gestellt werden.
Strategischer Rahmen für die regionale Mobilität
Die Fahrzeugbeschaffung stellt die größte Investition in der Geschichte der RSAG dar. Der Beschluss dazu wurde im Dezember 2020 von der Rostocker Bürgerschaft gefasst. Die Stadt stellt bis 2029 Eigenkapital in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro bereit, um die Finanzierung abzusichern.
Im Rahmen der Mobilitätsstrategie des Landes Mecklenburg-Vorpommern gilt das Projekt als langfristige Infrastrukturmaßnahme zur Stärkung eines zuverlässigen, barrierefreien und energieeffizienten öffentlichen Verkehrs in urbanen Räumen. Die standardisierte Niederflurplattform und die integrierten Fahrzeugsysteme schaffen zudem eine technische Grundlage für zukünftige Netzerweiterungen und betriebliche Optimierungen.
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